1. Ulmer Laufnacht

Eine perfekte Organisation, absolut freundliche Atmosphäre, Hilfsbereitschaft pur und eine Strecke, die es zwar in sich hat, dafür aber landschaftlich sicherlich zu den reizvollsten zu zählen ist. Dies wurde den Läufern geboten, die sich am 12. Juni in Blaustein zur 1. Ulmer Laufnacht trafen. Insgesamt 300 Läuferinnen und Läufer wollten die Strecke als Einzelstarter bewältigen, während weitere 100 Läufer sich den Lauf als Viererstaffel teilten. Nach dem Abholen der Startnummer begab sich Wolfgang Hilt vom TV Murrhardt, der sich als Einzelstarter angemeldet hatte, zuerst zum obligatorischen Spätzles Essen. Danach legte er sich, wie viele andere auch, in der Sporthalle auf Gymnastikmatten noch ein wenig zum Entspannen hin. Schließlich war man ja schon den ganzen Tag auf den Füßen und hatte sich für die Nacht einiges vor- genommen. Gegen 21.30 Uhr fand das Läuferbriefing statt, da wurden die 100 Kilometer mit ihren 750 Höhenmeter, die Verpflegungspunkte und die steilsten Anstiege nochmals vorgestellt. Danach machten sich die Läufer für den Start und die Nacht einsatzbereit. Kurz vor 23.00 Uhr standen dann alle im Stadion. Nur die 400 Stirnlampen der Läufer und das Feuer der Heißluftballone beleuchteten den Abend. Mit dem Startschuß wurde zeitgleich ein Feuerwerk über dem Stadion gezündet. Begleitet vom Applaus der Zuschauer machte sich das Feld auf, um die ersten 10 Kilometer nach Erstetten zu bewältigen. Da nur alle fünf Kilometer ein Schild die Entfernung anzeigte, musste sich jeder auf sein eigenes Laufgefühl verlassen. So schlängelte sich eine lange Lichterkette laufend und lachend durch den Wald. Ständig hörte man zwei Fragen: „Was hast du dir denn heute vorgenommen und laufen wir zusammen??“ Der Läufer vom TVM hatte sich zwei Ziele gesetzt. Erstens ankommen und dies gesund und zweitens (wenn es gut läuft) unter 10 Stunden bleiben. Leider fand er keinen der sich das gleiche Zeitziel vorgenommen hatte. So lief er konzentriert und ständig auf den Weg achtend, um ja nicht zu stürzen, stets mit wechselnder Begleitung die ersten 30 km. Nach Erstetten, als die erlaubten 100 Begleitfahrräder zu den jeweiligen Läufern dazu kamen, wurde es mitunter manchmal ein wenig eng auf den Feld und Waldwegen. Erfreulich für die Läufer war, dass es doch viele Zuschauer trotz der frühen Stunde an den Streckenrand gezogen hatte. Komisch klang es schon, wenn man morgens um 1 Uhr immer mit „ Guten Morgen“ begrüßt wurde. Inzwischen hatte wohl jeder seinen Laufrhythmus gefunden und nach 30 Kilometer ( 2:45 Std.) wurde das Kloster Wiblingen erreicht. Dies ist den meisten vom Ulmer Marathon bekannt. Nun wurde es ruhiger im Läuferfeld und an der Strecke. Immer an der Iller entlang wurde nach 50 Kilometer die Verpflegungsstelle in Neu Ulm erreicht. Jedem war bewusst, dass er, falls er hier nicht aufgibt, zwar die Hälfte der Strecke bewältigt hatte, der weitaus schwierigere Teil jedoch noch vor ihm liegt. Wolfgang Hilt erreichte die Kontrollstelle nach 4 Stunden und 31 Minuten noch frohen Mutes und ohne größere Schwierigkeiten. Inzwischen hatten angenehme Temperaturen die am Anfang doch kühle Nacht abgelöst. Weiter ging es nun zunächst flach an der Donau entlang. Hier verlief sich die Gruppe mit dem TVM Läufer auf der bestens ausgeschilderten Strecke, weil ein Scherzbold eine Absperrung verrückt hatte. Ein aufmerksamer Begleitradler bemerkte dies jedoch schon nach 100 Metern, so dass der Zeitverlust nicht allzu groß wurde. Nach 65 km warteten die bis zu 20 % steilen Anstiege zum Kloster Oberelchingen auf die Läufer.

Da es inzwischen wieder hell geworden war, konnte jeder nun die Anstiege auch sehen. Zum Ärger der Radfahrer hatte jemand Reißnägel auf dem Radweg verteilt, so dass viele im Kloster zuerst mal den Fahrradschlauch wechseln mussten. Auf dem Streckenabschnitt über Jungingen nach Michelsberg wurden die Läufer mit einem herrlichen Blick ins Donautal und auf das Ulmer Münster belohnt. Der schöne Ausblick täuschte den TVM Läufer aber nicht über die inzwischen aufgetretenen Schmerzen im Oberschenkel hinweg. Sie signalisierten deutlich, was er bisher in der vergangenen Nacht geleistet hatte. Als er nach 80 Kilometer ( 7:20 Std.) die Wilhelmskaserne erreichte, schätze er zunächst mal ab, ob der Muskel die restlichen 20 km überstehen würde, den die Zeit unter 10 Stunden müssten eigentlich zu machen sein. Gestärkt durch ein paar Becher alkoholfreies Bier und einem Brot machte sich Wolfgang Hilt schließlich auf den Weg über Lehr nach Blaustein. Auf den letzten 20 Km warteten noch einige kräftige Anstiege auf alle noch im Rennen befindlichen Läufer. Diese machten dem Läufer aus dem Murrtal weniger aus. Zwar etwas langsamer, aber immer noch mit genügend Kraftreserven konnte er sich an den Steigungen von einer Gruppe lösen und so noch einige vor ihm befindende Läufer überholen. Das Problem kam an den steilen Gefällstrecken. Hier war für Hilt kein kontrolliertes Laufen mehr möglich. Nur sehr langsam und vorsichtig konnte er bergab laufen. Als er nach 94 km zu einem anderen Läufer auflief, dem es ähnlich erging, beschloss er, mit diesem zusammen das Rennen zu Ende zu laufen, auch wenn er dadurch vielleicht eine Minute einbüßen würde. Bei deutlich angestiegenen Temperaturen wurden die letzten Kilometer und die Stadionrunde in der Morgensonne absolviert. Nach 9 Stunden und 17:17 Minuten erreichten beide gemeinsam das Ziel als 14. Läufer. In der Altersklasse über 50 Jahren belegten beide den 3. Platz. Die Blasen an den Füßen und der Muskelkater im Oberschenkel werden zwar in den nächsten Tagen für Schmerzen beim Abwärts gehen auf den Treppen sorgen, doch der Zufriedenheit, den Lauf erfolgreich bestanden zu haben, können auch sie nichts anhaben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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